Englisches bloggen und ich: it’s complicated

EN

Diese Woche fällt mir das schreiben schwer.

Manchmal würde ich am liebsten ein Skalpell nehmen, und die englische Sprache aus meinem Gehirn schneiden. Ich lebe jetzt 14 Jahre im Ausland – mehr als die Hälfte meines Lebens – und Englisch nimmt in meinem Kopf immer mehr und mehr Platz weg. Ich mache deutsche Kreuzworträtsel, gucke deutsches Fernsehen, und lese deutsche Bücher, aber Englisch frisst trotzdem eine Synapse nach der anderen in sich hinein. Wenn ich Englisch spreche stolpere ich immer noch manchmal über manche Konsonanten, und ab und zu flutscht mal ein „aber“ oder ein „doch“ in einen Satz, aber viel öfter kommt es vor, dass ich mitten in einem deutschen Satz stocke, weil ich die Wörter nach englischer Art aneinander gereiht habe, und den ganzen Satz aufribbeln und nochmal von vorn anfangen muss. Ob die Kommata in diesem ganzen Absatz überhaupt annähernd richtig platziert sind, kann ich auch nicht wirklich sagen.

Natürlich bin ich, unter Leuten mit solchen Problemen, ziemlich privilegiert. In anderen Ländern wurden Muttersprachen aktiv und aggressiv von kolonisierenden Engländern und ihrem Scheißenglisch ausgerottet, und sind kaum noch am Leben. In dieser Hinsicht sind Englisch und Deutsch wohl auf der gleichen Ebene. Ich will die Gefühle und die Situation dieser Leute mir auf keinen Fall aneignen wenn ich sage: manchmal hasse ich Englisch. Ich hasse es, dass ich in einem anderen Tab dict.cc auf habe, und gerade ‚to appropriate‘ eingeben musste.

Manchmal kann ich diese seltsame makkaronische Mischung in mir mögen, und sogar hübsch finden. Ich nenne mich ja nicht umsonst (‚not for nothing‘, bei dict eingegeben) Mx Macaronic. Aber manchmal ist es wie ein Dolch in mir, wie ein fast physischer Schmerz. Zu solchen Zeiten male ich lieber, als das ich schreibe. Wenn ich zeichne, zeichne ich auf Deutsch, so fühle ich mich. Die Englischen Worte sind nur eine Hülle.

Deswegen fällt mir diese Woche das schreiben schwer, aber das zeichnen leicht.

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